Freitag, 28. April 2006
Wer hat Angst vorm schwarzen Mann?
Irgendwie kollidierten zwischen gestern Abend 3Sat Kulturzeit und heute Morgen SZ Magazin mein unbesorgter Zukunftsoptimismus und die Realität dermaßen heftig, dass mir immer noch schlecht ist - kann vielleicht auch an übermäßigem Spaghetti-Genuss liegen, glaube ich aber nicht.

Und jetzt frage ich mich, ob heute die Kinder immer noch "Wer hat Angst vor schwarzen Mann?" spielen oder ob sie zu "Wer hat Angst vor der islamisitischen Atombome?" übergegangen sind!

Wenn man sich die weltpolitische Entwicklung mit wenig Sachverstand und viel gesundem Menschenverstand anschaut, dann muss man sich fürchten. Ich fürchte mich. Und das, obwohl ich in der deutschen Provinz lebe, auf der sicheren Seite. An manchen Tagen ist meine größte Angst, dass ich ein Kilo zugenommen habe. Ich kenne Leute, deren größtes Problem ist, dass sie vor 14 Uhr den Rasenmäher nicht anschmeißen dürfen weil sonst der nachbarschaftliche Maschendrahtzaun-Terror in Gang gesetzt würde.

Ich schaue also gestern Abend Kulturzeit und mir stellt sich die gruselige Frage: was wir in hundert oder zweihundert Jahren über unsere Gegenwart in den Geschichtsbüchern stehen. Wird es Länder geben, in deren Schulen man bin Laden den Platz eines Helden in der Geschichtsschreibung zuweist? Diese Frage ging mir durch den Kopf: sind die Terroristen von heute, deren einziges Ziel es ist, ihre Ideologien in die realen Machtbasen totalitärer Regieme zu transformieren - sind diese Männer die Vorbilder zukünftiger islamischer Generationen? Wird ihr Beispiel von Menschenverachtung und Intoleraz die Zukunft meiner Kinder und Enkelkinder prägen?

Und dann lese ich heute Morgen das SZ Magazin und die Frage verschärft sich. Ich halte nicht viel davon, zwischen dem Dritten Reich und dem heutigen Iran Prallelen zu ziehen; auch wenn es nur um das Ausmaß des Antisemitismus geht. Meiner Meinung nach sollte Goldhagen damit vorsichtig sein. Aber ich sehe den Punkt auf den er hinaus will und ich stimme ihm sehr deutlich darin zu, dass die westliche Welt sich eindeutig positionieren muss.

Die Frage die sich daraus ergibt, ist wie mutig wir sind. Weil sie viel Mut brauchen wird, diese Zeit, in der wir leben. Mut und Zivilcourage. Und gesunden Menschenverstand.

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